„Was ist denn die Wasserwacht?“

Diese Frage höre ich immer wieder, wenn ich mich mit verschiedenen Leuten über mein Hobby unterhalte. Die Info, dass wir als Rettungsschwimmer an den Münchner Seen und der Isar tätig sind, lässt viele Menschen staunen.

„Und was verdient man dabei? Das ist ja ein cooler Job!“

Wenn ich dann erzähle, dass wir an den Wochenenden und Feiertagen ehrenamtlich Dienst machen, da werden die Augen groß. Allerdings steckt in dieser Aussage so viel mehr, denn wir sitzen nicht nur an unseren Hütten und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. In der Wasserwacht geht es um Gemeinschaft, Kameradschaft und Zusammenarbeit. Und um viele Erlebnisse, die man über das Jahr teilt.

Saisonstart am letzten Aprilwochenende: Die Wasserwacht München-Mitte veranstaltet an der Isar ihr großes Übungswochenende. Hier werden nicht nur Wasserrettungsaufgaben gestellt, sondern auch viele Erste-Hilfe-Fälle geübt. Denn die Sanitätsausbildung gehört zur Grundausbildung der Rettungsschwimmer. Aber nicht nur an der Isar war was los. Die Ortsgruppen an den Seen packen vor der Saison richtig an. Mit den Seereinigungen werden die Gewässer für den Sommer vorbereitet. Was da alles gefunden wird ist schon ein bisschen kurios. Flaschen und Einweggrills sind leider normal, aber eine Pistole aus dem Schlick zu fischen war dann doch mal was Neues.

Dieser Sommer war lang und heiß. Da kann man gerne den ganzen Tag am Wasser verbringen, den Grill aufstellen und das Wochenende richtig genießen. Leider geht dieser Traum nicht für alle auf, denn es passieren doch relativ viele Unfälle dabei. Über 1000 Erste-Hilfe-Leistungen führten die Rettungsschwimmer in der Zeit von Mai bis September durch. Von Wespenstichen, Sonnenstichen und Schnittverletzungen, an den Gewässern, bis zu Verletzungen durch eine Messerstecherei. Denn die Sanitäter der Wasserwacht rücken im Bedarfsfall auch in die umliegenden Wohngebiete als First Responder aus.

Auch im Wasser kann es zu aufsehenerregenden Einsätzen kommen. Etwa die Kinder, die mit dem Schlauchboot auf den See treiben und dabei in Panik geraten. Zum Glück sind die Retter nicht weit und holten die Kleinen schnell zurück an Land, denn der Boden des Bootes hielt den im Schlauchboot stehenden Kids nicht stand und gab nach. Glücklicherweise sind auch immer wieder Passanten am See aufmerksam und greifen beherzt ein. Mehrmals konnte durch Badegäste eine Bewusstlose Person an Land gebracht werden. Sofort wird hierbei mit der notfallmedizinischen Erstversorgung durch die Rettungskräfte der Wasserwacht begonnen, bis der Patient an die Kollegen des angeforderten Rettungsdienstes übergeben werden kann. 12 Lebensrettungen konnten die Münchner Ortsgruppen dieses Jahr verzeichnen und diese Einsätze zeigen den Helfern immer wieder, warum sie sich für dieses Ehrenamt entschieden haben.

Doch nicht nur an den Wachstationen findet man die Rettungsschwimmer. München hat zwei Schnelleinsatzgruppen (SEG), die sofort ausrücken, wenn die Alarmierung erfolgt. Diese arbeiten zusammen, mit den Kollegen anderer Hilfsorganisationen und Rettungsdiensten. Egal ob vom Arbeitsplatz aus, oder nachts schnell aus dem Bett, die Retter sind unterwegs, sobald der Piepser schrillt. Meist sind es Vermisstensuchen, die ein Großaufgebot an Helfern benötigt. Einige Einsätze werden glücklicherweise abgebrochen, denn die Person wird an Land und wohlauf gefunden. Mit anderen Einsätzen müssen auch die Helfer manchmal kämpfen, wenn die Person leider nur noch tot geborgen werden kann. Auf insgesamt 20 Alarmierungen rückten die Wasserwacht SEGen „West“ und „Ost“ dieses Jahr schon aus.

Ein Hobby voller Action und Abenteuer, ja das kann man so sagen. Woher kommen nur die ganzen Helfer, die hierfür benötigt werden?

Mit unserer großartigen Jugendarbeit legen wir einen wertvollen Grundstein. Unsere Kids werden ab 8 Jahren Stück für Stück an die Arbeit als Rettungsschwimmer herangeführt. Je nach Altersstufe werden unterschiedliche Erste-Hilfe-Kurse durchgeführt und die verschiedenen Schwimmarten werden im Jugendtraining verfeinert. Ihre erworbenen Kenntnisse können die Kinder- und Jugendlichen in den Kreis- und Bezirkswettbewerben auf die Probe stellen und sich dort mit anderen Ortsgruppen und Kreisverbänden messen.

Um die Münchner Bürger zu informieren sind wir auch auf vielen Veranstaltungen präsent. Etwa mit Infoständen auf der Messe „Habe die Ehre“, am Tag der offenen Tür im BRK Kreisverband München auf verschiedenen Absicherungen, wie dem Outdoorsportfestival, der Münchner Radlrallye oder dem LMU Sommerfest.

„Und wieviel Zeit verbringst Du so in der Wasserwacht?“

Grundsätzlich gilt bei uns der Grundsatz der Freiwilligkeit, was bedeutet, jeder so, wie er oder sie es schafft. Aber für die meisten Helfer ist dieses Ehrenamt ein fester Bestandteil des Lebens. Die Münchner Wasserwacht hat diese Saison knapp 45.000 Wachstunden an den Seen, der Isar und dem Freibad in Unterhaching verbracht. Dies entspricht umgerechnet rund 5626 Arbeitstagen, die von den Kollegen, neben ihren regulären Berufen, im Dienst der Wasserwacht geleistet haben. Bei einem durchschnittlichen Gehalt von 22,00 €/Std. hätten die Helfer 1.000.000 € verdient, die sie als Zeit an die Münchner Bürger spenden. Hierfür möchte ich mich stellvertretend für alle Münchner bei den Helfern in der rot-weißen Dienstkleidung bedanken.